Flugreisen mit Babys: A bis Z

Autorin: Inka Schmeling
(Foto: Knut Gärtner)
Flugmediziner Torsten Pollmann betreut seit Jahren Piloten und Kabinenpersonal bei Airlines wie Lufthansa oder Eurowings. Seine Privatklinik in Dortmund (www.primedica.de) bot als Erste auch Spezialsprechstunden zur Flugreisetauglichkeit an. Seine Ratschläge für einen guten Flug mit Baby, von A (Alter) bis V (Vorsorge):
 
Alter: Gesunde Babys dürfen ab dem achten Tag fliegen. Ich würde trotzdem raten, ein Baby erst mit etwa drei Monaten ins Flugzeug mitzunehmen. Da sind Kinder und Eltern entspannter. Und vor allem weiß man, dass das Baby auch wirklich gesund ist.
 
Bett: Reservieren Sie so früh wie möglich bei Ihrer Airline ein sogenanntes »Bassinet«. Die Bettchen können an die Trennwand zwischen Business und Economy Class gehängt werden und sind daher in der Anzahl sehr begrenzt.
 
Druckausgleich: In den ersten Lebensmonaten sind die Nasennebenhöhlen noch nicht voll entwickelt. Säuglinge tun sich daher schwerer mit dem Druckausgleich. Was hilft: bei Start und Landung das Baby an die Brust nehmen, ihm Fläschchen oder Schnuller geben. Das Nuckeln hilft gegen Ohrenschmerzen. Aber, auch wenn das in einigen Ratgebern empfohlen wird: Ein schlafendes Kind brauchen Sie nicht extra wecken. Die schreien dann meist, weil sie aus dem Schlaf gerissen wurden. Nicht wegen Ohrenschmerzen.
 
Erkältung: Hat sich das Kind vor dem Flug einen Schnupfen gefangen, gehen Sie unbedingt zum Kinderarzt und lassen sich beraten. Bei einer schweren Infektion sollte man nicht fliegen; dann schaffen die Kleinen den Druckausgleich nicht. Bei einem leichten Schnupfen helfen Nasenspray oder -tropfen.
 
Essen: Durch den niedrigeren atmosphärischen Druck in der Höhe dehnen sich die Gase im Darm aus. Geben Sie Ihrem Kind daher keine größeren Mengen an Essen als zu Hause; das beschert ihm bloß Bauchschmerzen.
 
Gate-Check-in: Geben Sie den Kinderwagen erst beim Einsteigen in den Flieger auf. Als sogenannten »Gate-Check-in«. Sonst werden die Wege am Flughafen ganz schön lang.
 
Kleidung: Babys fühlen sich am wohlsten in lockerer Kleidung und lieber eine Nummer zu warm als zu kalt. Speziellen Wärmeschutz, etwa an den Ohren, brauchen sie aber nicht. Das Risiko, sich durch die Klimaanlage im Flieger zu erkälten, ist äußerst gering.
 
Lüftung: Sie sollte dem Baby nicht direkt ins Gesicht pusten. Einfach oben in der Decke zudrehen.
 
Rhythmus: Versuchen Sie, den gewohnten Ess- und Schlafrhythmus Ihres Babys beizubehalten. Das reduziert den Stress deutlich.
 
Sitz: Wenn Sie sich Ihren Sitzplatz aussuchen können: Nehmen Sie einen in den vordersten Reihen oder aber gleich über den Flügeln. Dort ist das Flugzeug am ruhigsten. Hinten wird es eher mal turbulent und das löst bei einigen Kleinkindern Übelkeit aus.
Strahlung: Bei gelegentlichen Flügen richtet die Höhenstrahlung keinen Schaden bei Babys an.
 
Stress: Kindernotfälle an Bord sind sehr selten. Die häufigsten Probleme sind da noch: Kreislaufschwächen und Hyperventilation durch Aufregung. Bleiben Sie ruhig; das hilft am besten. Die Gefühle der Eltern übertragen sich nämlich direkt auf ihre Kinder – Flugangst, Aufregung und Stress etwa. Aber eben auch Ruhe und die Vorfreude auf den Urlaub.
 
Trinken: Es stimmt, die Kabinenluft ist recht trocken und Kinder sollten da fleißig trinken. Machen Sie sich aber in dem Punkt nicht zu viel Stress, denn Babys brauchen in der Luft nicht mehr Flüssigkeit als am Boden auch.
 
Vorsorge: Mit zunehmender Flughöhe nimmt die Sauerstoffsättigung im Blut ab. Bei Blutarmut oder einem angeborenen Herz- oder Lungenfehler ist das gefährlich.
 
Daher: vor dem Flug ausschließen, dass Ihr Kind an diesen Erkrankungen leidet. Dafür reichen die klassischen Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U9.

Inka Schmeling lebt und arbeite in Hamburg als freie Journalistin. In Ihrem Buch "Abenteuer Elternzeit" berichtete Sie von  der Reise mit Ihrem Mann und Ihrem Sohn, auf der Homepage www.nepomuksreisen.de finden sich praktische Reisetipps und famileinfreundliche Reiseziele. Nepomuks Reisen sammelt Elternwissen und beantwortete Ihre Fragen rund ums Reisen mit Kind.

 
 
Literaturempfehlungen:

Abenteuer Elternzeit: Ein Ratgeber über das Reisen mit Baby und Kleinkind

Immer mehr junge Eltern gehen während der Elternzeit mit ihrem Kind auf Reisen. Es ist eine intensive Zeit, in der man gemeinsam die Seele baumeln lassen kann, aber auch in einer ungewohnten Umgebung völlig neu als Familie zusammenwächst. Junge Eltern haben Angst davor, mit kleinen Kindern nicht mehr unbeschwert reisen zu können. Dieser Ratgeber zeigt, dass die Sorge bei richtiger Planung unbegründet ist. Die Autorin nimmt die Leser mit auf ihre eigene Elternzeitreise: gemeinsam mit dem neun Monate alten Nepomuk erkundeten sie und ihr Mann die Türkei, Syrien und den Iran. Ein Kleinkind verändert natürlich den Ablauf und die Bedürfnisse während einer Reise. Der umfangreiche Serviceteil beantwortet alle dringenden Fragen: - Welche Vorbereitungen muss man treffen? - Packlisten und Einkauftipps, - Wie kommt man mit dem Geld klar? - Kinderarzt im Ausland worauf muss man achten? - Krabbelgruppe und Babyschwimmen - geht das auf der Reise?- Wie entwickelt sich das Leben als Familie - und als Paar? - Und wie begegnet man den Ängsten in der Familie und bei Freunden?